BVM-Präsident Willi Seiger: Ein Hoffnungsschimmer ist da. Ob daraus ein Aufschwung wird, entscheidet sich jetzt: am Reformkurs, an verlässlichen Regeln und daran, ob politische Entscheidungen im betrieblichen Alltag ankommen.
Der Präsident des Bundesverbandes Metall, Willi Seiger, erklärt im aktuellen Präsidentenbrief:
Unsere aktuelle Konjunkturumfrage zeigt, dass die Lage weiterhin angespannt ist. Rund 78 Prozent der Betriebe erwarten eine gleichbleibende Geschäftslage. Das ist angesichts des derzeit niedrigen Niveaus kein gutes Ergebnis. Von einem echten Aufschwung sind wir noch ein gutes Stück entfernt.
Dürfen wir also endlich aufatmen? Auf keinen Fall. Denn zur Wahrheit gehört auch: Fast jeder dritte Betrieb sagt, dass die Preise am Markt nicht ausreichen. Aufträge sind da – aber nicht jeder Auftrag trägt das Unternehmen. Material, Energie, Löhne, Sozialabgaben und Bürokratie werden nicht mit Hoffnung bezahlt.
Was nützt ein voller Auftragskalender, wenn am Ende die Kraft für Investitionen, Ausbildung und sichere Arbeitsplätze schwindet? Aus Hoffnung wird nur dann Zuversicht, wenn der Hoffnungsschimmer jetzt in den Betrieben ankommt.
Der Reformkurs darf nicht beim ersten Gegenwind enden
Die Ergebnisse des Koalitionsausschusses im Juli waren ein Lichtblick. Endlich war wieder Reformbereitschaft erkennbar: weniger Berichtspflichten, schnellere Verfahren, bessere Investitionsbedingungen und erste Schritte zu einer leistungsfähigeren Wirtschaft. Das war richtig – und längst überfällig.
Gerade deshalb irritiert mich die aktuelle Debatte über die sogenannte „Rente mit 63“ – die abschlagsfreie Altersrente nach 45 Versicherungsjahren. Noch vor wenigen Wochen haben wir den Reformwillen der Bundesregierung ausdrücklich begrüßt. Jetzt droht bereits der Eindruck, dass notwendige Veränderungen wieder zur Disposition stehen. Das wäre ein fatales Signal.
Natürlich verdient die Lebensleistung von Menschen Respekt, die jahrzehntelang körperlich schwer gearbeitet haben. Aber Fachkräftesicherung, Generationengerechtigkeit und ein tragfähiges Rentensystem verlangen auch den Mut, bestehende Regeln ehrlich zu überprüfen.
Unsere Betriebe brauchen keine politischen Pendelbewegungen. Sie brauchen Verlässlichkeit. Wer jeden Reformschritt beim ersten Widerstand zurücknimmt, gefährdet das Vertrauen, dass Deutschland überhaupt noch zu grundlegenden Veränderungen fähig ist.
Das Arbeitszeitgesetz ist der nächste Prüfstein
Dasselbe gilt für die angekündigte Reform des Arbeitszeitgesetzes. Flexible Wochenarbeitszeiten sind kein Angriff auf den Arbeitsschutz. Sie sind eine notwendige Antwort auf die Realität unserer Betriebe und ihrer Beschäftigten.
Montageeinsätze, Auftragsspitzen, Wetterlagen und Kundenanforderungen halten sich nicht an starre Acht-Stunden-Schemata. Die Möglichkeit einer wöchentlichen statt einer täglichen Höchstarbeitszeit schafft Flexibilität, ohne den Arbeits- und Gesundheitsschutz aufzugeben.
Unsere Betriebe wollen keine Arbeit ohne Grenzen. Sie wollen Regeln mit Vernunft.
Eine moderne Arbeitszeitgestaltung erleichtert die Organisation auf Baustellen, stärkt die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und macht Unternehmen attraktiver für Fachkräfte. Diese Reform darf nicht erneut vertagt werden.
Öffentliche Investitionen müssen den Mittelstand erreichen
Auch bei den angekündigten Investitionen entscheidet nicht die Summe auf dem Papier, sondern die Wirkung vor Ort. Eine Haushaltszahl baut keine Brücke, saniert keine Schule und modernisiert keine Werkhalle.
Unsere Betriebe können planen, konstruieren, fertigen und montieren. Sie brauchen aber auch eine faire Chance, öffentliche Aufträge zu erhalten. Werden Ausschreibungen immer größer und Verfahren immer komplizierter, profitieren am Ende häufig nur wenige große Anbieter.
Qualität hat ihren Preis. Sicherheit hat ihren Preis. Ausbildung hat ihren Preis. Und regionale Verlässlichkeit hat einen Wert.
Der regionale Mittelstand darf nicht zum Zuschauer staatlicher Investitionen werden. Öffentliche Aufträge müssen so zugeschnitten sein, dass auch regionale Handwerksbetriebe sie übernehmen können. Verfahren müssen einfacher werden, unnötige Nachweise entfallen – und neben dem Preis müssen Qualität, Ausbildung und regionale Verlässlichkeit zählen.
Entlastung muss im Betriebsalltag spürbar werden
Dauerhaft hohe Energie- und steigende Lohnkosten, immer neue Dokumentationspflichten erschweren die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe im internationalen Vergleich. Der Umbau unserer Wirtschaft kann nur gelingen, wenn kleine und mittlere Unternehmen ihn wirtschaftlich tragen können. Auch hierfür sind Finanzierungsmodelle für KMU dringend erforderlich.
Unsere Betriebe investieren längst in digitale Prozesse und künstliche Intelligenz – bei Kalkulation, Konstruktion, Fertigung und Verwaltung. Gerade deshalb dürfen neue Vorgaben nicht zu neuen Bürokratielasten führen. Kleine Betriebe brauchen verständliche, praktikable Regeln und Rechtssicherheit.
Unsere Berufe sind Zukunftsberufe
Zum Start des neuen Ausbildungsjahres richtet sich der Blick auf die Fachkräfte von morgen. Viele Betriebe wollen ausbilden. Doch noch immer finden zu wenige junge Menschen den Weg in das Metallbauer- und Feinwerkmechanikerhandwerk.
Unsere Berufe haben kein Zukunftsproblem. Sie haben ein Wahrnehmungsproblem.
Metallbauer und Feinwerkmechaniker arbeiten mit digitaler Konstruktion, automatisierten Fertigungsanlagen, moderner Schweißtechnik, Robotik und künstlicher Intelligenz. Sie verbinden Präzision mit Kreativität – und sehen am Ende des Tages, was sie geschaffen haben. Welcher Beruf kann das von sich behaupten? Deshalb ist es wichtig, dass wir jede Gelegenheit aktiv nutzen, um junge Menschen im Rahmen von regionalen Berufsorientierungsmaßnahmen anzusprechen und für unsere Berufe zu begeistern.
Auskömmliche Preise, faire Vergaben, bezahlbare Energie, moderne Arbeitszeiten, weniger Bürokratie und starke berufliche Bildung gehören zusammen. Sie entscheiden darüber, ob aus Stabilität wieder Wachstum wird. Ein Hoffnungsschimmer reicht nicht.
Unsere Betriebe haben ihren Teil längst geleistet. Sie investieren. Sie bilden aus. Sie übernehmen Verantwortung. Jeden einzelnen Tag. Jetzt ist die Politik am Zug.
Was es jetzt braucht, sind weniger Ankündigungen und mehr Umsetzung, weniger Misstrauen und mehr unternehmerischer Spielraum – und vor allem den Mut, Reformen wirklich zu Ende zu bringen.
So wird aus Hoffnung Zuversicht. Und so kommt der Aufschwung dort an, wo er gebraucht wird: in unseren Werkstätten, auf unseren Baustellen und bei den Menschen, die jeden Tag Zukunft aus Metall schaffen.
Willi Seiger
Präsident des Bundesverbands Metall
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Aus den Bundesfachgruppen Metall- & Stahlbau (Teil 1)
Auf der Frühjahrstagung der Bundesfachgruppen Metallbautechnik und Stahlbau-Schweißen des Bundesverbands Metall in Zweibrücken haben 25 Fachleute aus dem gesamten Bundesgebiet über aktuelle Entwicklungen zu Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Normung sowie deren Auswirkungen auf das Metallbauerhandwerk diskutiert. Die Ergebnisse hat Dr.-Ing. Reinhard Fandrich in 2 Teilen für Sie zusammengefasst. Im diesem ersten Teil geht es u.a. um verbesserte Rahmenbedingungen und digitale Werkzeuge für die Betriebe. Im zweiten Teil geht es um die aktuellen Entwicklungen aus der Normung und Infos zu neuen technischen Hilfestellungen. Dieser Bericht folgt in Kürze.
Gastgeber war der mittelständische Familienbetrieb xaver mak metalltechnik, der beispielhaft zeigt, wie tief das Metallhandwerk in industrielle Wertschöpfungsketten eingebunden ist. Eine Werkserkundung beim Weltmarktführer in punkto Landmaschinenbau John Deere verdeutlichte eindrucksvoll, dass wesentliche Komponenten für die Produktionstechnik und Werkslogistik moderner Industriebetriebe direkt aus den Werkstätten des Metallhandwerks stammen.
Teil 1: verbesserte Rahmenbedingungen und digitale Werkzeuge für die Betriebe
Mit rund 19.600 Betrieben, 231.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von fast 38 Milliarden Euro bildet das Metallbauerhandwerk eine wesentliche Säule der deutschen Wirtschaft. Um der anhaltenden Preisstagnation und dem Konsolidierungsdruck wirksam zu begegnen, arbeitet die Verbandsorganisation auf allen Ebenen Hand in Hand. Das gemeinsame Ziel von Bundesverband und Landesverbänden ist, Rahmenbedingungen zu verbessern, die betriebliche Effizienz zu steigern und das Berufsbild im geschlossenen Schulterschluss nachhaltig zu stärken.
Besonders deutlich wird der Wert dieser überregionalen Interessenvertretung beim Thema Nachhaltigkeit und Regulierung: Im wirkungsvollen Zusammenspiel der gesamten Verbandsfamilie konnte erreicht werden, dass kleine und mittlere Handwerksbetriebe vor einer übermäßigen Last durch die EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung besser geschützt werden. Die Gesetzgebung sieht nun vor, dass nur noch Großunternehmen ab 1.000 Mitarbeitern direkt berichtspflichtig sind. Darüber hinaus stellt der sogenannte Value-Chain-Cap rechtlich sicher, dass Großkonzerne von ihren handwerklichen Zulieferern Daten nur noch nach dem stark vereinfachten KMU-Standard einfordern dürfen. Weitergehende, überbordende Datenanfragen dürfen Betriebe dank des gemeinsamen politischen Einsatzes künftig zurückweisen.
Digitaler Produktpass und Zukunftskompass Handwerk
Auch bei kommenden Herausforderungen wie dem Digitalen Produktpass, der ab 2028 schrittweise Pflicht wird, setzt sich die Verbandsorganisation für praxistaugliche Lösungen ein. Um einer bürokratischen Überlastung bei Unikaten vorzubeugen, wird gemeinsam die Einbindung der Vorlieferanten in automatisierte Datenketten sowie eine Ausweitung von Ausnahmeregelungen gefordert.
Damit die Betriebe diesen Wandel als Chance nutzen können, bringt die Verbandslandschaft praxisnahe Unterstützung auf den Weg: In Zusammenarbeit zwischen die Zentralstelle für Weiterbildung im Handwerks (ZWH), den Handwerkskammern, dem BVM und dem Landesverband Metall NRW, steht das digitale Berichtstool „Zukunftskompass Handwerk“ seit Anfang 2026 in einer Early-Access-Version zum Test bereit. Das kostenfreie und intuitiv bedienbare Tool hilft Betrieben durch KI-Unterstützung und geführte Module dabei, Nachhaltigkeitsnachweise zu erstellen. Dies verschafft Mitgliedsbetrieben wertvolle Vorteile bei öffentlichen Ausschreibungen, Verhandlungen mit Banken sowie im Personalmarketing. Die finale Version stellt die ZWH ab Herbst 2026 bereit.
Terminvorschau 2026/2027
23./24. Okt. 2026 Metallkongress, Würzburg
Branchenevent Metallbau & Feinwerktechnik
7. Nov. 2026, Preisverleihung „Die Gute Form“, Northeim
Bundeswettbewerb Konstruktionstechnik & Metallgestaltung
13. Nov 2026 Techniktag Glees
Fachverband Metall Rheinland-Pfalz
Feb. 2027 |38. Schweißtechnisches Kolloquium, Hamburg
SLV Nord gGmbH & DVS Landesverband Nord
5./6. März 2027, Techniktage am Schluchsee
Unternehmerverband Metall Baden-Württemberg (UVM)
16./17. April 2027, Bundesverbandstag Metall 2027, Berlin
Bundesverband Metall
13./14. Mai 2027 Sachverständigentag des Metallhandwerks, Ratingen
Bundesverband Metall
Zwischenfazit
Das Metallhandwerk steht vor dem Spagat zwischen traditionsreicher Werkstattarbeit und moderner Digitalisierung. In enger Abstimmung zwischen Bund und Ländern erweist sich die Verbandsstruktur als Schutzschild gegen bürokratische Überforderung und stellt zeitgleich die Weichen, damit unsere Handwerksbetriebe gemeinsam gut gerüstet in die Zukunft gehen.
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Über den Autor
Reinhard Fandrich (Dr.-Ing.)
ist technischer Berater in der
Fachberatungs- und Informationsstelle
beim Bundesverband Metall, Essen
E-Mail: reinhard.fandrich@metallhandwerk.de
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Wer baut die Zukunft unserer Stadt? Am besten die Betriebe von hier!
Unser Kreishandwerksmeister Martin van Beek und Hauptgeschäftsführer Martin Weber waren zu Gast bei der Immobilien Management Essen, dem Immobilienkompetenzzentrum der Stadt. Beim gemeinsamen Termin trafen sie auf Geschäftsführer Martin Harter und Prokurist Ralf Lützenrath. Neben dem persönlichen Kennenlernen stand ein ganz zentrales Thema auf der Agenda: Wie schaffen wir es, lokale Handwerksbetriebe noch stärker an Bau- und Modernisierungsmaßnahmen der städtischen Immobilientöchter – bspw. der GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH – zu beteiligen?
Der Weg ist klar: Wir entwickeln gemeinsam eine Strategie, um im Rahmen der bestehenden Vergabevorgaben eine noch engere Kooperation zwischen unseren Innungsbetrieben und der GVE aufzubauen. Denn wenn in Essen investiert wird, sollte auch das Essener Handwerk davon profitieren!
Ein rundum gelungener Austausch für einen starken Wirtschaftsstandort. Vielen Dank für das konstruktive und informative Gespräch. Wir halten Sie über die nächsten Schritte auf dem Laufenden!

Konjunkturumfrage Q3 2026
Metallhandwerk bleibt standfest – doch der wirtschaftliche Druck ist deutlich spürbar
BVM-Umfrage zeigt stabile Erwartungen, solide Auftragsreichweiten und zugleich erheblichen Handlungsbedarf bei Preisen und Rahmenbedingungen.
Essen, 21. Juli 2026. Das Metallhandwerk behauptet sich in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld. Die aktuelle Konjunkturumfrage des Bundesverbandes Metall (BVM) zeigt: Rund 78 Prozent der Betriebe erwarten für das kommende Quartal eine stabile oder bessere Geschäftslage. Gleichzeitig bewerten 31 Prozent die erzielbaren Marktpreise als unzureichend. Der Vergleich mit Q3 2025 macht deutlich, dass sich die Auftragsreichweiten breiter verteilen – eine Entwarnung ist das jedoch nicht.
Stabilität ist eine Leistung – aber kein Selbstläufer
„Unsere Betriebe zeigen erneut, wie anpassungsfähig und leistungsfähig das Metallhandwerk ist. Dass fast vier von fünf Unternehmen mit einer stabilen oder besseren Entwicklung rechnen, ist ein starkes Signal. Diese Zuversicht entsteht aber nicht aus guten Rahmenbedingungen, sondern aus unternehmerischer Stärke, hoher Fachkompetenz und der Nähe zu den Kunden“, erklärt BVM-Hauptgeschäftsführer Diether Hils.
Die aktuelle Unternehmenslage wird im Durchschnitt mit der Schulnote 3,0 bewertet. 69 Prozent vergeben die Noten 1 bis 3. Bei der Erwartung für das kommende Quartal rechnen 69 Prozent mit einer gleichbleibenden und 9 Prozent mit einer verbesserten Geschäftslage; 22 Prozent erwarten eine Verschlechterung.
Auftragsbestände breiter verteilt als im Vorjahr
Der Vorjahresvergleich zeigt eine Verschiebung bei der Auftragsreichweite: Der Anteil der Betriebe mit höchstens zwei Monaten Auftragsbestand sank von 54,2 Prozent in Q3 2025 auf 43,7 Prozent in Q3 2026. Gleichzeitig stieg der zusammengefasste Anteil mit einer Reichweite von bis zu drei beziehungsweise vier Monaten von 26,5 auf 37,1 Prozent. Mehr als sechs Monate Auftragsbestand melden aktuell 8,5 Prozent nach 10,4 Prozent im Vorjahr.
„Die breitere Verteilung der Auftragsbestände sorgt in vielen Betrieben für mehr Planbarkeit. Aber wir dürfen uns von Durchschnittswerten nicht täuschen lassen: Kurze Reichweiten bleiben für einen erheblichen Teil der Unternehmen Realität. Entscheidend ist deshalb, dass aus vorhandener Arbeit auch auskömmliche Wertschöpfung entsteht“, so Hils.
Marktpreise und Standortbedingungen bleiben Achillesferse
Nur 11 Prozent der Befragten beurteilen die erzielbaren Marktpreise als gut, weitere 58 Prozent als auskömmlich. Fast jeder dritte Betrieb hält sie für unzureichend. Aus Sicht des BVM verschärfen hohe Energie-, Material- und Finanzierungskosten sowie hohe Lohnzusatzkosten, Bürokratie und schwache Investitionsimpulse den Druck auf die Unternehmen.
Hils: „Das Metallhandwerk braucht keine kurzfristigen Strohfeuer, sondern verlässliche Bedingungen für Investitionen, Ausbildung und Beschäftigung. Wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungen würden unmittelbar bei den Betrieben ankommen. Wer Wachstum will, muss diejenigen stärken, die es vor Ort erwirtschaften.“
Fachkräftebewegung bleibt spürbar
Auch personell bleibt die Lage angespannt: In rund der Hälfte der Betriebe hat in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter das Unternehmen für einen Wechsel oder eine Selbstständigkeit verlassen. Gleichzeitig berichten knapp 30 Prozent von mindestens einem vorzeitigen Ruhestand. Damit bleibt die Sicherung von Fachkräften und Nachwuchs eine zentrale Zukunftsaufgabe.
„Das Ergebnis ist ein klarer Auftrag: Wir müssen die Sichtbarkeit und Attraktivität unserer Berufe weiter erhöhen und zugleich die Betriebe konkret unterstützen. Das Metallhandwerk bietet moderne Technik, Verantwortung und echte Zukunftsperspektiven – diese Stärke wollen wir gemeinsam noch deutlicher nach außen tragen“, betont Hils.
DIE ZAHLEN AUF EINEN BLICK
Konjunkturumfrage Q3 2026
437 Antworten zum Auftragsbestand – rund 75 Prozent mehr als im Vergleichsdatensatz 2025
78 % erwarten eine stabile oder bessere Geschäftslage im kommenden Quartal
69 % bewerten ihre aktuelle Lage mit den Schulnoten 1 bis 3
56 % verfügen über einen Auftragsbestand von drei Monaten oder mehr
31 % bewerten die erzielbaren Marktpreise als unzureichend
51 % melden mindestens einen arbeitnehmerseitigen Abgang in den vergangenen zwölf Monaten
Zur Methodik
Die BVM-Konjunkturumfrage Q3 2026 wurde im Juli 2026 durchgeführt. Je nach Frage lagen 432 bis 438 Antworten vor. Für den Vergleich der Auftragsreichweite wurden die Kategorien der Vorjahreserhebung harmonisiert: Die 2026 separat ausgewiesenen Klassen „bis 3 Monate“ und „bis 4 Monate“ wurden zur Vergleichsklasse „bis 4 Monate“ zusammengeführt. Die Vorjahresbasis umfasst 249 Antworten. Prozentwerte sind gerundet.
Pressekontakt
André KohutBereichsleiter Presse/ÖffentlichkeitsarbeitBundesverband MetallTelefon: +49 201 89619-22E-Mail: andre.kohut@metallhandwerk.de
www.metallhandwerk.de
GRAFIK ZUR PRESSEMITTEILUNG
Auftragsreichweite: Q3 2025 und Q3 2026
Quelle: BVM-Konjunkturumfragen Q3 2025 und Q3 2026. Angaben in Prozent.
Auswertung Konjunkturumfrage Q3 2026
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Handwerk kennt keine Schulform: Tourstopp am Mariengymnasium
200 Schüler des Essener Mariengymnasiums erhielten bei unserem Tourstopp Einblicke in die Vielfalt handwerklicher Ausbildungsberufe.

Dass die Handwerkertour an einem Gymnasium Station machte, war dabei kein Zufall. Der Termin setzte bewusst ein Zeichen dafür, dass handwerkliche Berufe längst nicht nur für bestimmte Schulformen interessant sind. Gerade Schüler, die den Weg zum Abitur einschlagen oder andere weiterführende Bildungswege wählen, finden im Handwerk vielfältige Karrierechancen – von der klassischen Ausbildung bis hin zu Meisterqualifikation, Selbstständigkeit oder einem späteren Studium. Die Begegnungen auf Augenhöhe machten deutlich, wie modern, vielseitig und anspruchsvoll viele Handwerksberufe heute sind.
Auf der Bühne standen die Maler- und Lackierer-Innung, die Metall-Innung, die SHK-Innung sowie die Tischler-Innung und zeigten gemeinsam die große Bandbreite des Handwerks. Die Azubis berichteten von ihrem Einstieg, ihren täglichen Aufgaben und den Projekten, an denen sie mitarbeiten. Schnell wurde deutlich, dass Kreativität, Präzision, Teamarbeit und moderne Technik in allen vier Gewerken eine wichtige Rolle spielen.
Im Gespräch wurden die Berufe greifbar: Wie entstehen aus Ideen und Materialien individuelle Möbelstücke im Tischlerhandwerk? Welche Aufgaben übernehmen Auszubildende der SHK-Innung bei modernen Heizungs- und Klimatechniken? Wie verbindet die Maler- und Lackierer-Innung handwerkliches Können mit kreativer Gestaltung? Und welche Fertigkeiten sind in der Metall-Innung gefragt, wenn Bauteile gefertigt oder Konstruktionen umgesetzt werden? Die persönlichen Erfahrungen der Azubis sorgten für einen authentischen Einblick in die unterschiedlichen Gewerke.
Im Anschluss blieb ausreichend Zeit für individuelle Gespräche. Viele Schüler nutzten die Gelegenheit, Fragen zu Praktika, Ausbildungsinhalten und Entwicklungsmöglichkeiten zu stellen und erhielten so einen direkten Eindruck davon, welche Perspektiven das Handwerk heute bietet.
Helga Hellmich, Berufsorientierungslehrerin am Mariengymnasium, betont: „Die Einblicke in verschiedene Handwerksberufe sind bei den Schülern sehr gut angekommen und waren für viele von ihnen etwas komplett Neues.“
Der Termin hat gezeigt, dass handwerkliche Berufe an jeder Schulform spannende Perspektiven eröffnen können und der direkte Austausch dabei hilft, mit bestehenden Vorstellungen aufzuräumen.
Präsidentenbrief 07/2026 zum Reformpaket 2. Juli 2026
Die Einigung des Koalitionsausschusses überrascht mich. Und sie zeigt: Das Reformpaket setzt an vielen Stellen richtig an. Es enthält überfällige Maßnahmen in der Steuer- und Arbeitsmarktpolitik sowie beim Bürokratieabbau. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage ist das für mich ein wichtiges und gutes Signal an die Wirtschaft und an alle Beschäftigten im Metallhandwerk.
Ich begrüße ausdrücklich die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung, die das Metallhandwerk schon seit Langem gefordert hat, sowie die Vorlage einer AU-Bescheinigung ab dem ersten Tag der Erkrankung. Damit wird der Betriebsablauf für uns wieder planbarer.
Positiv sehe ich auch die Erhöhung der Freibeträge, des Kindergeldes sowie Anpassungen im Einkommensteuertarif zur Entlastung von Familien und Beschäftigten. Die Kaufkraft wird damit gestärkt. Das kann sich positiv auf die Binnenkonjunktur auswirken, von der auch unsere Betriebe im Metallhandwerk mittelbar profitieren.
Auch die vereinbarten Maßnahmen zum Bürokratieabbau sind ein wichtiges Signal. Dazu stelle ich fest: Die angekündigte „Berichtspflichten-Bremse“ und die Überprüfung der bestehenden Dokumentationspflichten durch eine Beweislastumkehr könnten, wenn sie konsequent umgesetzt werden, den administrativen Aufwand in Betrieben des Metallhandwerks spürbar reduzieren.
Ein Kompromiss bedeutet aber auch, dass nicht alle Erwartungen erfüllt wurden. So bleiben nach meiner Auffassung die steuerpolitischen Erwartungen des Mittelstands unerfüllt. Kapitalgesellschaften werden über die schrittweise Senkung der Körperschaftsteuer entlastet. Vergleichbare Entlastungen für Personenunternehmen sind nicht vorgesehen. Damit bleibt eine Gleichbehandlung bislang aus.
Bedauerlicherweise ist zudem die angekündigte Flexibilisierung der Arbeitszeit nicht Teil der Einigung geworden. Gerade für das Metallhandwerk wären modernere Arbeitszeitregelungen ein wichtiger Beitrag gewesen, um den betrieblichen Anforderungen besser gerecht zu werden. Ich bin in diesem Zusammenhang gespannt auf die für den Herbst dieses Jahres angekündigten weiteren Reformmaßnahmen.
Zusammenfassend stelle ich fest: Das Reformpaket ist ein Anfang. Und es zeigt jetzt doch die Reformfähigkeit der Koalition, an der ich wie viele andere auch gezweifelt haben. Für eine wirksame Wirtschaftswende, für Wachstum und Beschäftigung, für Investitionen und zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland müssen weitere Reformmaßnahmen mit dem Fokus auf den Mittelstand beschlossen werden.
Euer Willi Seiger
Präsident Bundesverband Metall
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Neue Vorgaben für Sicherheitsbeauftragte seit Mai 2026
Am 29. Mai 2026 sind geänderte Vorgaben zur Bestellung von Sicherheitsbeauftragten nach § 22 SGB VII in Kraft getreten. Ziel des Gesetzgebers ist es, den Bürokratieaufwand durch eine differenziertere Betrachtung der betrieblichen Gefährdungslage zu senken. Für das Metallhandwerk bedeutet dies konkret:
Die neuen Schwellenwerte im Überblick
• Bis 20 Beschäftigte: Es besteht weiterhin keine Pflicht zur Bestellung von Sicherheitsbeauftragten.
• Mehr als 20 bis unter 50 Beschäftigte: Es besteht grundsätzlich keine Pflicht mehr zur Bestellung, außer es liegen besondere Gefährdungen für Leben und Gesundheit vor.
• 50 bis 250 Beschäftigte: Es ist mindestens ein Sicherheitsbeauftragter zu bestellen; bei besonderer Gefährdung erhöht sich diese Anzahl entsprechend.
• Ab 250 Beschäftigte: Hier gelten weiterhin die bewährten Kriterien nach § 20 DGUV Vorschrift 1.
Was bedeutet das für Ihren Betrieb?
Die neue Regelung rückt die Gefährdungsbeurteilung stärker in den Fokus. Zwar entfällt in der Gruppe der 20 bis 50 Beschäftigten die pauschale Pflicht, doch die Prüfung der „besonderen Gefährdung“ wird nun zum zentralen Punkt.
Da im Metallhandwerk typische Risiken wie der Umgang mit Maschinen, Schweißarbeiten (Hitze/Gase) und schwere Lasten zum Alltag gehören, muss im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung sorgfältig geprüft werden, ob diese Gefahren eine Bestellung trotz Unterschreitens der 50-Mitarbeiter-Grenze erforderlich machen.
Die Empfehlung
1. Gefährdungsbeurteilung aktualisieren: Nutzen Sie die nächste Fortschreibung Ihrer Gefährdungsbeurteilung, um explizit zu dokumentieren, ob in Ihrem Betrieb eine „besondere Gefährdung“ vorliegt, die eine Bestellung trotz geringerer Mitarbeiterzahl rechtfertigt.
2. Beratungsangebot nutzen: Die Aufsichtspersonen der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) stehen zur Beratung bereit. Nutzen Sie diese Unterstützung, um Rechtssicherheit bei der Einstufung Ihres Betriebes zu gewinnen.
3. Freiwillige Qualifizierung: Auch wenn Ihr Betrieb rechtlich nicht zur Bestellung verpflichtet ist, kann die Ausbildung eines Sicherheitsbeauftragten ein wertvolles Instrument der Prävention sein. Die BGHM bietet hierfür weiterhin Schulungen an.
Fazit: Die neue Regelung bietet für Betriebe zwischen 20 und 50 Mitarbeitern grundsätzlich mehr Flexibilität. Im Metallhandwerk bleibt die Gefährdungsbeurteilung jedoch das entscheidende Dokument, um rechtssicher zu beurteilen, ob der Einsatz von Sicherheitsbeauftragten aufgrund der spezifischen Werkstattrisiken weiterhin sinnvoll oder gar notwendig ist.
Autor
Reinhard Fandrich (Dr.-Ing.)
Technischer Berater in der Fachberatungs-
und Informationsstelle beim Bundesverband Metall, Essen
Kontakt: reinhard.fandrich@metallhandwerk.de
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Rentenreform gemeinsam gestalten: Essener Handwerk wirbt für Balance zwischen Generationengerechtigkeit und Schutz der Kleinstbetriebe
Die Sicherung des Wohlstands im Alter und die Schaffung eines generationengerechten Rentensystems gehören zu den zentralen Zukunftsaufgaben unserer Gesellschaft. Das Essener Handwerk unterstützt daher ausdrücklich die Bemühungen der Bundespolitik und die Vorschläge der Rentenkommission, das Rentensystem durch strukturelle Reformen und den Einstieg in die Kapitalrente zukunftsfest zu machen. Gleichzeitig erinnert die Kreishandwerkerschaft Essen daran, dass der Weg dorthin die wirtschaftliche Realität der Praxis vor Ort im Blick behalten muss. Unter dem Leitmotiv „Strukturreform ja, aber gemeinsam mit dem personalintensiven Handwerk“ plädiert die Kreishandwerkerschaft dafür, die Belange der vorwiegend kleinst- und familiengeführten Handwerksbetriebe partnerschaftlich in die Pläne einzubinden.
„Wir bekennen uns voll und ganz zu einer verlässlichen Alterssicherung und der notwendigen Modernisierung des Systems“, erklärt Martin van Beek, Essens Kreishandwerksmeister. Damit diese Reformen jedoch tragfähig seien, dürften sie die Leistungsfähigkeit der Betriebe nicht überfordern. „Gerade Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern reagieren hochsensibel auf steigende Lohnnebenkosten und neue bürokratische Hürden. Um die Balance zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und wirtschaftlicher Machbarkeit zu wahren sehen wir vor allem bei der geplanten Reform der geringfügigen Beschäftigung noch dringenden Nachbesserungsbedarf.“

Der Vorschlag der Rentenkommission, Minijobs ab dem ersten Euro voll sozialabgabenpflichtig zu machen, würde den Betrieben einen unverzichtbaren Flexibilitäts-Puffer nehmen. Handwerksbetriebe nutzen Minijobs als Brücken, um kurzfristige Auftragsspitzen oder saisonale Mehrarbeit abzufangen – oft mithilfe von erfahrenen Alt-Gesellinnen und -Gesellen im Ruhestand, Studierenden oder mithelfenden Familienangehörigen. Um zu verhindern, dass diese legalen Beschäftigungsverhältnisse durch überbordende Bürokratie und hohe Kosten unattraktiv werden und in die Schattenwirtschaft abwandern, wirbt das Handwerk für ein passgenaues Modell, das die Beitrags- und Bürokratiefreiheit für Betriebe unter zehn Mitarbeitern garantiert.
Ebenso bedarf es verlässlicher Perspektiven bei den Lohnnebenkosten. Durch die Festschreibung des Rentenniveaus im Rentenpaket II drohen die Beitragssätze zur Rentenversicherung bis 2035 auf über 21 Prozent zu steigen. Da das Handwerk im Gegensatz anderen Wirtschaftszweigen extrem personalintensiv ist, wirken sich steigende Abgaben direkt auf die Preise für die Endkundschaft aus. Um die Nachfrage im wichtigen Sanierungs- und Wohnungsbausektor nicht komplett zu bremsen und gleichzeitig die duale Ausbildung von Lehrlingen finanziell abzusichern, fordert das Handwerk ein verlässliches Belastungsmoratorium, das die Sozialabgaben dauerhaft unter der 40-Prozent-Marke deckelt.
„Gleichzeitig gilt es, bestehende Potenziale zur Fachkräftesicherung optimal zu nutzen. Die seit Januar 2026 geltende Aktivrente ist hierzu ein hervorragendes Instrument. Dass selbstständige Handwerksmeister bislang von diesem steuerfreien Hinzuverdienst ausgeschlossen sind, bremst jedoch wertvolles Know-how. Eine Ausweitung dieser Regelung auf Selbstständige würde es vielen Betriebsinhabern ohne Nachfolger ermöglichen, im Alter noch punktuell mitzuarbeiten und ihre Expertise an die nächste Generation weiterzugeben“, erklärt van Beek.
Das Handwerk versteht sich ausdrücklich als Partner der Politik bei der Modernisierung der sozialen Sicherungssysteme. Dennoch gilt es bspw. bei der Altersvorsorgepflicht für Selbstständige, eine echte, bürokratiearme Wahlfreiheit zu garantieren, damit auch private, betriebliche oder immobilienbasierte Vorsorgemodelle als Absicherung anerkannt werden. Auch bei der Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung wird für faire Härtefallregelungen geworben, damit Arbeitnehmende in körperlich besonders belastenden Berufen nach 45 Arbeitsjahren weiterhin abschlagsfrei mit 65 Jahren in den verdienten Ruhestand gehen können.
Für das Handwerk in Essen schließen sich eine moderne Rentenpolitik und der Schutz der wirtschaftlichen Basis nicht aus – sie bedingen einander. „Nur wenn der Motor der Wirtschaft, die Kleinstbetriebe, nicht abgewürgt wird, kann die Rentenreform nachhaltig gelingen“, so van Beek.
Bundesverband Metall stärkt Engagement in Baunormung
Der Bundesverband Metall ist dem neu formierten Förderverein Baunormung e.V. beigetreten. Die Aufnahme erfolgte mit Wirkung zum 17. Juni 2026.
Der neue Förderverein tritt in die Fußstapfen des bisherigen VFBau „Verein zur Förderung der Normung im Bereich Bauwesen e.V.“, in dem der Bundesverband Metall langjähriges Mitglied war. Ziel des Fördervereins ist es, Normungs- und Standardisierungsprozesse im Bauwesen zu stärken und insbesondere die Arbeit des Normenausschusses Bauwesen im DIN zu unterstützen.
Der Bundesverband Metall sieht in der Mitgliedschaft ein wichtiges Signal für die fachliche Interessenvertretung des Metallhandwerks. Baunormen haben unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeit der Betriebe – von Planung und Ausschreibung über technische Umsetzung bis hin zu Fragen der Haftung und Qualitätssicherung.
„Normen prägen die tägliche Arbeit unserer Mitgliedsbetriebe. Deshalb ist es wichtig, dass das Metallhandwerk in der Baunormung fachlich sichtbar und verlässlich vertreten ist“, erklärt Dipl.-Ing. Karsten Zimmer, Bereichsleiter Technik beim Bundesverband Metall.
Mit dem Beitritt setzt der BVM sein Engagement für praxisnahe, verlässliche und handwerksgerechte Standards im Bauwesen fort.
Pressekontakt:
Bundesverband Metall
André Kohut, Bereichsleiter Öffentlichkeitsarbeit
Altendorfer Str. 97-101, 45143 Essen
andre.kohut@metallhandwerk.de
Tel.: 0201-89619-22
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Präsidentenbrief 06-26: Die Ruhe vor dem Sommermärchen?
Däumchen drehen … so fühlt es sich derzeit an, blickt man auf Deutschlands Regierung, die den großen Wurf in Sachen Reformpaket bis zur parlamentarischen Sommerpause Mitte Juli angekündigt hat. Bis dahin will die Koalition von Union und SPD die dringenden Reformen in den Bereichen Arbeitsmarkt, Sozialversicherungen, Einkommensteuer und Bürokratieabbau auf den Prüfstand stellen und neue Gesetze ausarbeiten.
Nur: Man hört nicht viel, außer leere Phrasen wie „Wir sind guten Mutes“ oder „Einigkeit herrscht unter den Gesprächspartnern, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland vor großen Herausforderungen steht“. Oder: „Die Politik begrüßt die Bereitschaft von Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertretern, den Reformprozess konstruktiv zu begleiten“. Und was sagen DGB und ver.di zur Regierungserklärung des Kanzlers Mitte Juni? „Die Diskussion war von Offenheit getragen, alle eingebrachten Perspektiven ernsthaft zu beleuchten“. Ganz ehrlich? Da fehlen mir klare, erkennbare Signale, die notwendigen Änderungen konstruktiv voranzutreiben.
Keine Frage: Für Wachstum, Investitionen und Beschäftigung braucht es strukturelle Reformen. Es besteht eindeutiger Handlungsbedarf. Das geht auch aus den Analysen des OECD Economic-Berichts hervor, der aufzeigt, was viele Handwerksbetriebe seit Langem erleben. Deutschland hat in wichtigen Wettbewerbsfragen an Boden verloren. Ich teile die Einschätzung von ZDH-Präsident Jörg Dittrich: „Wer wieder aufschließen will, muss die Bremsen am eigenen Standort lösen“. Auch sein Appell trifft den Punkt: „Deutschland braucht wieder mehr wirtschaftliche Dynamik“.
Wir müssen Wettbewerbsfähigkeit, Zukunftsfähigkeit und Investitionskraft unserer Betriebe wieder klar in den Mittelpunkt politischen Handelns rücken. Für das Handwerk bleibt insbesondere die Reform der sozialen Sicherungssysteme mit einer spürbaren Senkung der Lohnzusatzkosten eine zentrale Aufgabe. Nur wenn Arbeit bezahlbar bleibt, können Betriebe investieren und Beschäftigung sichern. Auch müssen Energiekosten weiter sinken und die Inflation dauerhaft begrenzt werden. Nur so erhalten wir Wettbewerbsfähigkeit auch im internationalen Vergleich, die durch externe Krisen, hohe Energiepreise und Handelskonflikte extrem belastet wird. Staatliche Mittel müssen wirksamer eingesetzt, Investitionen erleichtert, Betriebe und Beschäftigte entlastet werden.
Entscheidend ist, dass Reformen bei den Menschen und Betrieben ankommen, die dieses Land täglich tragen: Unternehmerinnen und Unternehmer, Beschäftigte, Auszubildende und Familien. Reformen dürfen Lasten nicht nur verschieben. Sie müssen Arbeit, Leistung und Investitionen spürbar entlasten und zugleich den sozialen Zusammenhalt sichern.
Die politische Debatte der letzten Wochen zeigt mal wieder, wie kontrovers der Reformkurs von CDU und SPD bewertet wird. Umso wichtiger ist, dass die Regierungskoalition sich in zentralen Themen einigt und konkrete Ergebnisse liefert, diese nachvollziehbar begründet und den Menschen mit Respekt vermittelt, warum Veränderung notwendig ist. Der Blick zurück zeigt: Deutschland kann mit mutigen Reformen wie z.B. seinerzeit unter Kanzler Gerhard Schröder wirtschaftlich wieder stärker werden. Dazu müssen jetzt jedoch Reformen entschlossen angegangen und verlässlich durchgeführt werden. Genau daran muss sich die Regierungskoalition in der momentan schwierigen Wirtschaftslage messen lassen.
Zum Spitzentreffen der Sozialpartner mit der Bundesregierung am 11. Juni hatte ich eine Online-Konferenz mit meinem Kollegen ZDH-Präsident Jörg Dittrich. Der berichtete, dass das Spitzentreffen keine konkreten Ergebnisse geliefert hätte, aber es wohl ein gemeinsames Reformverständnis gegeben hätte. Wie auch immer, Jörg Dittrich hat mir versichert, dass er in diesem Spitzentreffen mit Nachdruck deutlich gemacht: „Die Lohnzusatzkosten können nicht ständig erhöht werden.“ Ich bin mit Jörg Dittrich einer Meinung: „Wir brauchen Reformen zur Entlastung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern und keine weitere Umverteilung. Leistung muss sich wieder lohnen. Also, mehr Netto vom Brutto. Der Aberglaube, dass man einfach immer weiter umverteilt bis alle reich sind, funktioniert nicht und frustriert die Leistungsträger in unserem Land.“
Beim Spitzengespräch drifteten die Positionen von Gewerkschaften und Arbeitgebern weit auseinander. Umso mehr überraschen mich die Vorschläge der Rentenkommission, die am Wochenende teilweise durchgesickert sind. Demzufolge schlagen die 13 Experten vor, die Rente mit 63 abzuschaffen, das Renteneintrittsalter anzuheben und Rentenbeiträge an den Finanzmärkten zu investieren. Das fordern wir seit Jahren. Jetzt kommt es auf Merz und Bas an, die sinnvollen und dringend notwendigen Reformen einzuleiten. Wenn das vor der parlamentarischen Sommerpause gelingt, könnte es wirklich noch etwas werden mit dem langersehnten Aufschwung in Deutschland. In diesem Zusammenhang ist auch die Anpassung des Arbeitszeitgesetzes dringend erforderlich. Betriebe und Beschäftigte brauchen mehr Flexibilität und praxistaugliche Regeln statt bürokratischer Dokumentationspflichten.
Und ja: Ein wenig Satire muss an dieser Stelle erlaubt sein. Man stelle sich vor: Deutschland steht im WM-Endspiel. Nach 90 Minuten steht es unentschieden und es geht in die Verlängerung. Und genau in diesem Moment greift das Arbeitsschutzgesetz. Die Spieler müssen ihre Arbeitszeit dokumentieren und ins Hotel, bevor der Schiedsrichter am nächsten Tag das Spiel wieder anpfeifen darf. Vielleicht beschreibt genau dieses Beispiel die Situation, die das Arbeitszeitgesetzt in unseren Betrieben auslöst. Unsere Arbeitnehmenden wollen eine Wochenarbeitszeit, die an den aktuellen täglichen „Spielverlauf“ flexibel angepasst werden kann. Das Arbeitszeitgesetz verdeutlicht die Lage unseres Landes ziemlich gut: Wir schaffen Regelungen, die praxisfremd sind und die weder Arbeitnehmer noch Arbeitgeber wollen. Lasst uns den Ball spielen, solange er im Spiel ist!
Deshalb appelliere ich an unsere Regierung: Mehr Spielfluss, mehr Vertrauen in unsere Leistungsträger, die Arbeitnehmenden und die Arbeitgeber, die Deutschland voranbringen und vor allem: Daumen drücken, dass unsere deutsche Fußballnationalmannschaft am Ende genau das schafft, was Politik und Wirtschaft so dringend brauchen – Mut zum Abschluss. Und gerne auch den Weltmeistertitel.
Euer Willi Seiger
Präsident Bundesverband Metall
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