Die Bundesfachgruppentagung Feinwerkmechanik am 15. und 16. April 2026 in Bramsche hat einmal mehr gezeigt, wie stark das Feinwerkmechanikerhandwerk im Spannungsfeld zwischen Tradition, technologischer Entwicklung und strukturellem Wandel steht. Gastgeber war die Ma-schinenbau Feik GmbH & Co. KG, ein bewusst gewählter Ort, der exemplarisch für die Anpassungs- und Leistungsfähigkeit mittelständischer Betriebe steht.
Bereits der erste Tag setzte einen ungewöhnlichen, aber treffenden Akzent: Der Besuch der Varusschlacht in Kalkriese eröffnete nicht nur kulturelle Perspektiven, sondern auch einen bemerkenswerten Blick auf metallhandwerkliche Leistungen über Jahrtausende hinweg. Die Fassade des Ausstellungsgebäudes aus Cortenstahl, bewusst auf Korrosion ausgelegt, vermittelte eine gewollt gealterte, fast archaische Anmutung. Dem gegenüber standen metallische Exponate wie die Varus-Maske oder die Schienenrüstung, die trotz ihres Alters einen erstaunlich gut erhaltenen Eindruck hinterließen. Dieser Kontrast zwischen bewusst erzeugter Patina und tatsächlicher Dauerhaftigkeit machte eindrucksvoll deutlich: Metallhandwerk ist immer auch ein Arbeiten für die Zeit – oft weit über die eigene Generation hinaus.
Normung als Fundament der Praxis
Im Zentrum der Fachtagung stand am zweiten Tag die fachliche Arbeit der Bundesfachgruppe. Einen der Schwerpunkte bildeten die Kurzberichte aus dem Bundesverband.
Die aktuellen Entwicklungen im Bereich ISO GPS, insbesondere die Überarbeitung der ISO 2768, verdeutlichen, dass sich normative Anforderungen kontinuierlich weiterentwickeln. Gleich-zeitig wird klar, dass die eigentliche Herausforderung nicht in der Norm selbst liegt, sondern in ihrer praktischen Anwendung und Vermittlung.
Die zunehmende Integration von ISO GPS in Ausbildung und Prüfung stellt Betriebe und Bildungseinrichtungen vor die Aufgabe, komplexe Inhalte verständlich und praxisnah aufzubereiten. Der neu gegründete Arbeitskreis zur Integration in die berufliche Bildung ist ein konsequenter Schritt, um genau diese Brücke zwischen Theorie und Anwendung zu schlagen.
Positionierung im Bereich Verteidigungswirtschaft
Ein weiterer zentraler Diskussionspunkt war die strategische Positionierung des Metallhandwerks im Bereich der Verteidigungswirtschaft. In flankierenden politischen Gesprächen werden die Kompetenzen des Feinwerkmechanikerhandwerks als Hi-Tech-Zulieferer – insbesondere durch Hauptgeschäftsführer Diether Hils – gezielt sichtbar gemacht. In der praktischen Umsetzung zeigen sich jedoch weiterhin erhebliche Hürden: hohe Zertifizierungsanforderungen, etablierte Lieferketten und strukturelle Zugangsbeschränkungen erschweren insbesondere kleinen und mittleren Betrieben den Einstieg. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage nach geeigneten Plattformen zur Sichtbarmachung handwerklicher Kompetenzen an Bedeutung. Die Entscheidung der Bundesfachgruppe, einen Messeauftritt auf der Security Essen – insbesondere im Hinblick auf die parallel stattfindende EURO DEFENCE EXPO – zu testen, ist daher als strategischer Schritt zu verstehen, um neue Marktpotenziale zu erschließen und das Metallhandwerk gezielt zu positionieren.
Berufsbild im Wandel
Mit Blick auf die Zukunft stand die Neuordnung des Berufsbildes Feinwerkmechanik erneut im Fokus. Die Bundesfachgruppe adressiert in diesem Kontext eine klare Haltung an den zuständigen Sachverständigenkreis: Die Möglichkeit einer gemeinsamen Beschulung mit industriellen Berufen wird als notwendig erachtet, um die wohnortnahe Ausbildung langfristig sicherzustellen. Gleichzeitig wird die eindeutige Verortung des Berufs im Handwerk betont – nicht zuletzt aufgrund der spezifischen Interessen mittelständischer Betriebe.
Die Diskussion machte jedoch auch deutlich, dass die Herausforderungen struktureller Natur sind: sinkende Ausbildungszahlen sowie regionale Probleme in der Berufsschullandschaft. Lösungsansätze wie Blockunterricht oder eine stärkere Bündelung von Ausbildungsstandorten wurden entsprechend intensiv diskutiert.
Thomas Feik neuer Bundesfachgruppenleiter
Ein markanter Einschnitt und zugleich ein klares Signal für die Zukunft war die Neuwahl der Bundesfachgruppenleitung. Mit Thomas Feik wurde einstimmig ein neuer Bundesfachgruppenleiter gewählt, der als aktiver Unternehmer die Perspektive der betrieblichen Praxis unmittelbar ein-bringt. Ebenso einstimmig wurde die bisherige stellvertretende Bundesfachgruppenleiterin Christine Waldschmidt im Amt bestätigt.
Fazit: Zwischen Substanz und Zukunft
Die Tagung in Bramsche hat deutlich gemacht, dass das Feinwerkmechanikerhandwerk vor tiefgreifenden Veränderungen steht. Normative Anforderungen, neue Marktchancen und strukturelle Herausforderungen greifen ineinander und erfordern eine klare strategische Ausrichtung.
Gleichzeitig wurde aber auch sichtbar: Die Branche verfügt über das notwendige fachliche Fundament, die Bereitschaft zur Veränderung und die Geschlossenheit, diesen Wandel aktiv zu gestalten.
Autor:
Thomas Röper (B.Eng.) ist Technischer Berater
in der Fachberatungs- und Informationsstelle
beim Bundesverband Metall in Essen
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