Feinwerkmechanik: Die Frühjahrstagung der Bundesfachgruppe Feinwerkmechanik in Landshut brachte Betriebe, Handwerksorganisationen und Verbände an einen Tisch. Zwei Tage lang wurde über Struktur, Inhalt und Zukunftsfähigkeit des Berufsbilds diskutiert – mit klaren Forderungen und einem eindeutigen Ziel: das Berufsbild zukunftsfest zu gestalten.
Die Rahmenbedingungen, unter denen sich das Feinwerkmechaniker-Handwerk heute behaupten muss, haben sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Technologische Entwicklung, ökologischer Wandel, Fachkräftemangel und eine zunehmend diffizile Abgrenzung zur Industrie stellen das Berufsfeld vor neue Herausforderungen. Die Bundesfachgruppentagung am 26. und 27. März 2025 im Bildungszentrum in Landshut war deshalb keine Routineveranstaltung – sie war ein Impulsgeber.
Rückläufige Zahlen, klare Konsequenzen
Die statistische Entwicklung ist eindeutig: Im Jahr 2006 absolvierten 3.059 junge Menschen die Gesellenprüfung zum Feinwerkmechaniker bzw. zur Feinwerkmechanikerin. 2023 waren es nur noch 1.682. Die Ursachen sind bekannt – das Image des Berufs ist in die Jahre gekommen, Ausbildungsplätze werden nicht besetzt, qualifizierter Nachwuchs wandert teils in industrielle Ausbildungsberufe ab. Viele Betriebe stehen dadurch vor einer paradoxen Situation: Qualitativ gut aufgestellt, technologisch modern – und dennoch nicht mehr konkurrenzfähig im Rennen um Auszubildende.
Die Fachgruppe hat reagiert. In Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) an der Universität zu Köln wurde eine Neuordnung angestoßen. Ziel ist ein modernes Berufsbild, das den Anforderungen der Praxis gerecht wird und junge Menschen anspricht.
Beruf mit Profil und Perspektive
Zentraler Gedanke: Der Beruf des Feinwerkmechanikers braucht ein klares, zeitgemäßes Profil – nach innen wie nach außen. Diskutiert wurde u. a. eine neue Berufsbezeichnung. Vorschläge wie „Metallmechaniker/in“, „Fertigungstechnologe/in Metall“ oder „Präzisionsmechaniker/in“ zielen auf eine moderne, technisch orientierte Ansprache ab. Entscheidend ist dabei nicht allein der Name, sondern was er transportiert: ein Berufsbild, das Technikbegeisterung, Vielseitigkeit und Verantwortung gleichermaßen vermittelt.
Klar wurde in der Diskussion: Die Ausbildungsstruktur muss heterogene Betriebswirklichkeiten abbilden – vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum spezialisierten Zulieferer. Daher plädiert die Fachgruppe für eine Struktur mit Vertiefungen innerhalb eines einheitlichen Berufsbildes.
Lernen von der Praxis – BMW und Kollmeder als Impulsgeber
Die Exkursionen zum BMW Group Werk Dingolfing und zum Schmiede- und Presswerk Kollmeder in Ergolding boten interessante Einblicke.
Das BMW Group Werk Dingolfing zählt zu den modernsten und größten Produktionsstandorten des Unternehmens weltweit. Rund 18.000 Mitarbeitende fertigen hier Komponenten und Fahrzeuge von der Karosseriebaugruppe bis zur Endmontage. Neben der Fahrzeugproduktion ist das Werk auch ein zentrales Kompetenzzentrum für E-Antriebskomponenten wie Hochvoltbatterien, E-Motoren und Leistungselektronik. Automatisierte Fertigungsstraßen, digital vernetzte Prozesse und ein hoher Grad an Arbeitsteilung prägen den industriellen Charakter des Standorts. Die Produktionsprozesse sind exakt getaktet und ermöglichen höchste Effizienz bei gleichzeitig maximaler Qualitätskonstanz.
Die Kollmeder Schmiede- und Presswerk GmbH & Co. KG in Ergolding verbindet traditionelle Umformtechnik mit moderner Fertigungskompetenz. Als Spezialist für Gesenkschmiedeteile aus Stahl beliefert das Unternehmen Kunden aus Maschinenbau, Fahrzeugtechnik und Energieanlagenbau. Im Fokus stehen individuelle Lösungen in kleinen bis mittleren Serien – vom Rohling bis zum einbaufertigen Bauteil. Die Fertigungstiefe ist hoch, die Prozesse flexibel und durch die Kombination aus erfahrenem Fachpersonal (Feinwerkmechaniker) und digital unterstützten Bearbeitungsschritten bestens aufgestellt für anspruchsvolle Einzel- und Sonderanfertigungen. Kollmeder ist ein Paradebeispiel für die Leistungsfähigkeit des Handwerks im industriellen Umfeld.
Beide Besuche zeigten eindrucksvoll: Die Grenzen sind stellenweise fließend – umso wichtiger ist es, ein eigenständiges Profil für das Handwerk zu formulieren.
Fazit: Strukturreform mit Augenmaß
Die Bundesfachgruppentagung war ein konstruktiver, teilweise kontroverser, aber immer zielgerichteter Austausch. Es wurde deutlich: Die Fachgruppe ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen aktiv zu gestalten. Dabei geht es nicht um das Festhalten an vermeintlich Bewährtem, sondern um das kluge Weiterentwickeln eines Berufsbildes mit Zukunft.
Klar ist: Die Anforderungen steigen, die Erwartungshaltung auch. Wer dem Beruf eine tragfähige Perspektive geben will, muss ihn anschlussfähig gestalten – für junge Menschen, für Betriebe, für das Handwerk insgesamt.
Die nächsten Schritte beinhalten die Entwicklung eines Eckpunktepapiers sowie die Abstimmung mit dem ZDH und den zuständigen Ministerien. Die Bundesfachgruppe hat die Richtung klar markiert.
Ansprechpartner
Thomas Röper (B.Eng.)
Technischer Berater in der Fachberatungs- und Informationsstelle
beim Bundesverband Metall in Essen
E-Mail: thomas.roeper@metallhandwerk.de
Der Beitrag Beruf im Wandel: Feinwerkmechaniker-Handwerk auf dem Weg zur Neuordnung erschien zuerst auf Metallhandwerk.







